Verbraucherverarschung mit der „Deutschland RENTE“

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern ARAG stellt offenbar derzeit sein Vertriebskonzept von der qualitativ hochwertigen Vermittlung und Beratung über Makler auf Ramschvertrieb über die Ladentheke um. So versucht die ARAG Lebensversicherungs-AG gemeinsam mit ihren Konsortialpartnern ONTOS Lebensversicherung AG und RheinLand Lebensversicherung AG seit Ende März diesen Jahres, ihre sogenannte ‚Deutschland RENTE‘ über den Discounter Plus an den Kunden zu bringen. Mit den Worten „Einkaufen und vorsorgen in einem“ will man dem Kunden vorgaukeln, er könne durch Konsum seine Rente sichern.

Und so soll das funktionieren: Der monatliche Mindestbeitrag von 19,90 € wird in den UBS Global Allocation Fund investiert. Ein Fonds jener Investmentbank, die Dank einer Reihe von Fehlspekulationen im vergangenen Jahr bereits weit über 10 Mrd. Euro abgeschrieben hat ! Möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs – denn der Fonds selbst hatte im Jahr 2007 einen Verlust von 1,7% zu beklagen.

Neben diesem wahrlich grandiosen Fonds erhält der Kunde der Deutschland RENTE auch eine MasterCard der Santander Consumer Bank. Von den mit dieser Karte getätigten Umsätzen fließt ein halbes Prozent in den Rentenvertrag. Ab dem dritten Jahr wird für die Karte eine Jahresgebühr von fünf Euro fällig. Zahlt der Kunde den offenen Betrag auf seinem Kreditkartenkonto in Raten zurück, wird aktuell ein Zinssatz von satten 13,98% in Rechnung gestellt. Anstatt der Rente sichert man sich so eher den Schuldenberater. Zusätzlich zu den Kreditkartenumsätzen zahlen einzelne Partner bis zu 10% Bonus auf das Rentenkonto, wenn der Kunde über die Intemetseite der Deutschland RENTE bei ihnen einkauft.

Um den Kunden die Sache schmackhaft zu machen, schreckt die ARAG auch vor zweifelhafter Werbung nicht zurück: Geworben wird bspw. mit über 180 Shopping-Partnern. Auf der Internetseite finden sich jedoch bislang gerade mal 40. Die Werbung für diese Mogelpackung suggeriert hohe Zusatzleistungen aus Kreditkartenumsatz und Bonusprogramm. Die Realität sieht anders aus: Nimmt man an, ein Kunde zahlt den Mindestbeitrag von 19,90 € im Monat, dann müßte er für rund 80.000 € Kreditkartenumsätze tätigen und noch mal für rund 5.000 € im Internet einkaufen, um die in der Werbung dargestellten Dimensionen zu erreichen. Für Paris Hilton möglicherweise ein interessantes Programm – für den deutschen Durchschnittsverdiener hingegen eher nicht. Für den sieht die Rechnung nämlich etwas anders aus: Für einen 35-jährigen, der 30 Jahre lang in die Deutschland RENTE einzahlt und einen jährlichen Kreditkartenumsatz von 10.000 € einbringt, macht der durch den Bonus generierte Betrag gerade mal ca. 14 € im Monat aus – falls sich der Fonds gut entwickelt. Rechnet man die Inflation heraus, sind das immerhin noch eine Bratwurst und ein Bier.
Tatsächlich eröffnet sich hier ein Konsumdruck, der zahlreiche Verbraucher in die Schuldenfalle und damit in die Altersarmut drängen kann. Man möchte die Anbieter fast zwingen, pro tausend abgeschlossene Verträge einen öffentlichen Schuldenberater zu finanzieren. Wirklich verdienen tun nur die Versicherer und die Shoppingpartner durch die Marketing-Offensive, kritisiert Lilo Blunck, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV) dieses unsägliche Produkt mit erfreulich deutlichen Worten.

Aber es kommt noch besser: Die ARAG wirbt in einer Broschüre mit einem Vergleich der Ratingagentur Morgen & Morgen vom 8. Februar 2008, der die Deutschland RENTE gleich auf den ersten drei Plätzen zeigt.
Auf Nachfrage zeigte sich Morgen & Morgen überrascht: „Wir haben einen solchen Vergleich nie erstellt. Die Deutschland RENTE der ARAG-Versicherung war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Derzeit prüfen wir die Werbebroschüre und werden gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen die Anbieter einleiten„, verrät Joachim Geiberger, Inhaber und Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen.

Ein Skandal, wie hier ein alteingesessener Versicherer sein positives Image leichtfertig verspielt, indem er jegliche Seriosität zu Gunsten schneller Umsätze über Bord wirft!

Viel Freude bei der Vermehrung der gewonnenen Einsichten,
wünscht Ihnen Ihr Finanzscout

Klaus J. P.-Kilfitt

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Über Finanzscout

Klaus J. Pitter-Kilfitt, Unternehmensberater, Fachreferent und Buchautor, war über 2 Jahrzehnte CEO eines mittelständischen Finanzkonzerns und engagiert sich seit Jahren mit Hintergrundrecherchen und kritischen Finanzmarktanalysen für aktiven Verbraucherschutz.
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