Volksverarschung Bausparen

Bausparen lohnt sich nicht!

Seit über 10 Jahren analysiere ich Tarife aller Bausparkassen – das Ergebnis ist immer das Geiche: Unter dem Strich ist die Bausparfinanzierung so ziemlich die teuerste aller denkbaren Finanzierungsmöglichkeiten.

Nehmen wir heute mal den aktuellen Tarif „BHW Dispo maXX“ von der BHW Bausparkasse genauer unter die Lupe. Mit dem Werbezins von 1,9 Prozent erlebt der Bauherr sein blaues Wunder.

Die zum Postbank-Konzern gehörende BHW Bausparkasse bietet unter der Bezeichnung „Dispo maXX“ einen flexiblen Bauspartarif an, der dem Kunden alle Verwendungsmöglichkeiten offen halten soll. Je nach Zielsetzung verspricht die Bausparkasse den Vertragsinhabern entweder – sofern ein Immobilienerwerb geplant ist – äußerst günstiges Baugeld oder hohe Renditen, wenn lediglich Geld angespart werden soll.

Günstiges Bauspardarlehen
Aktuell wirbt die BHW Bausparkasse für den „Dispo maXX“ vor allem mit dem Hinweis auf den günstigen Zins des Bauspardarlehens. „Ab sofort können Sie sich Ihr Bauspardarlehen schon ab sensationellen 1,9 Prozent* sichern„, heißt es auf der Homepage und in Werbeschreiben. Zudem scheint der Kredit zum Dumpingpreis auch schnell verfügbar zu sein – so suggerieren zumindest Werbeaussagen wie „Schnell zum Baugeld – ohne festes Mindestsparguthaben“ und „Wahlzuteilung: Bauspardarlehen kurzfristig abrufbar„. Bauherren sollten die Versprechungen des Baufinanzierers aber skeptisch betrachten.

Wahl des Darlehenszinssatzes
Beim „Dispo maXX“ handelt es sich um einen sehr flexibel einsetzbaren Bauspartarif. Die verschiedenen Wahloptionen machen es möglich, dass der Vertrag sowohl an die Ansprüche zukünftiger Bauherren mit unterschiedlichem Planungshorizont als auch an den Bedarf von Sparern, die mit ihren Einzahlungen lediglich die staatliche Förderung durch Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage nutzen wollen, angepasst werden kann. Und das auch noch nach Vertragsabschluss, wenn sich Kundenpläne nachträglich verändern.
Allerdings gibt es soviel Freiheit nicht zum Nulltarif. Zwar muss der Bausparer für Vorteile, die er beansprucht, keine speziellen Gebühren berappen. Er zahlt seinen Preis aber durch Nachteile bei bestimmten vertraglichen Leistungen.
Denn die Bausparfinanzierung basiert traditionell auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens. So kommt an das günstige Bauspardarlehen nur heran, wer der Bausparkasse als Sparer zuvor sein Vertragsguthaben über Jahre zum Niedrigzins überlassen hat. Dispo-maXX-Sparer erhalten einen Anlagezins von lächerlichen einem Prozent pro Jahr. Viele Banken und Sparkassen bieten bei langfristigen Sparverträgen derzeit wesentlich mehr.

Welchen Kredit der Kunde bekommt und für wie lange, entscheidet sich vor allem mit der Wahl des Darlehenszinssatzes. Wer auf den Werbezins von 1,9 Prozent fliegt, erlebt schnell sein „blaues Wunder“. Ein Beispiel: In sieben Jahren soll eine Umbaumaßnahme finanziert und dafür monatlich 250 Euro in den Vertrag eingezahlt werden. Je nach Darlehenszins sieht die Rechnung sehr unterschiedlich aus: Wählt der Bauherr die teuerste Kreditvariante mit einem Nominalzins von 3,75 Prozent, zahlt ihm die Bausparkasse nach sieben Jahren einen Betrag von 49.000 Euro aus. Davon gibt es 27 783 Euro als Darlehen mit einem Effektivzins von 4,05 Prozent.

Nimmt der Kunde die Werbung beim Wort und kreuzt er im Vertrag die Niedrigzinsvariante mit 1,9 Prozent an, sieht die Rechnung völlig anders aus: Zum Dumping-Effektivzins von 2,28 Prozent fließen hier trotz gleicher Ansparleistung nur 13.633 Euro – also weniger als die Hälfte – an Kreditmitteln auf sein Baukonto, zusammen mit dem Sparguthaben 35.000 Euro. Außerdem währt der Zinsvorteil nur recht kurz, denn schon nach fünf Jahren und neun Monaten muss die Schuld bei Wahl des Standardtilgungssatzes von sechs Promille der Vertragssumme getilgt sein. Bei Wahl der teureren Variante kann sich der Bauherr dagegen neun Jahre und fünf Monate Zeit lassen.

Deutliche Leistungsunterschiede offenbart auch der Blick auf den Zeitraum, der unter Standardbedingungen bis zur Zuteilung eines Bausparvertrages vergeht. Bei Einzahlung der Regelsparrate von drei Promille der Vertragssumme wird die Zuteilung erst nach 13 Jahren erreicht – volle drei Jahre später als bei Wahl des 3,75 Prozent-Kreditzinses. Und das kostet den Bausparer jede Menge Geld in Form von Zinsverlusten gegenüber möglichen Alternativanlagen.

Flexibilität hat ihren Preis
Trotz aller Flexibilität kann die BHW Bausparkasse mit dem Tarif „Dispo maXX“ die traditionelle Bauspar-Arithmetik nicht ausschalten. Auch hier gilt: Wer als Bausparer einerseits bestimmte Vorteile genießen will, muss andererseits mehr Vorleistungen erbringen oder Leistungseinschränkungen hinnehmen.
Konkret: Bausparer bezahlen den Schaufensterzins von nominal 1,9 Prozent im Vergleich zu teureren Tarifvarianten mit einer längeren Wartezeit bis zur Zuteilung, einem geringeren Darlehensanspruch und hohen Tilgungsraten. Und zwar je nach Ausgangslage in unterschiedlicher Kombination.
Außerdem gilt wie bei jeder Bausparfinanzierung auch hier: Der Zins des Bausparkredits spiegelt keinesfalls die kompletten Kosten der Finanzierung wider. Denn hierzu gehören ebenfalls die in der Ansparphase im Vergleich zu Alternativanlagen erlittenen Zinseinbußen. Wird das Baugeld sofort benötigt, kommen zusätzlich die Kosten einer langjährigen Zwischenfinanzierung des Bausparvertrags dazu.

Fazit:
Bauherren sollten sich weder von der Lockvogel-Werbung der BHW noch durch ähnliche Versprechen anderer Anbieter blenden lassen und vor einem Abschluss unbedingt Alternativfinanzierungen prüfen – am besten mit Hilfe eines unabhängigen Beraters.

Viel Freude bei der Vermehrung der gewonnenen Einsichten,
wünscht Ihnen Ihr Finanzscout

Klaus J. P.-Kilfitt

www.klaus-kilfitt.de
www.klaus-kilfitt.blogspot.de

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Über Finanzscout

Klaus J. Pitter-Kilfitt, Unternehmensberater, Fachreferent und Buchautor, war über 2 Jahrzehnte CEO eines mittelständischen Finanzkonzerns und engagiert sich seit Jahren mit Hintergrundrecherchen und kritischen Finanzmarktanalysen für aktiven Verbraucherschutz.
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