Hedge-Fonds in der Krise

Lion Advisors gibt auf – weitere Schließungen erwartet

Zum ersten Mal seit 2004 Hedge-Fonds in Deutschland zugelassen wurden, wird einer dieser flexiblen, häufig aber äußerst riskanten Anlageinstrumente geschlossen. Das Scheitern der Münchner Firma Lion Advisors zeigt gravierende strukturelle Probleme im deutschen Hedge-Fonds-Markt.

Macht ein Fonds dicht, wittern Anlegerschützer in Deutschland rasch Betrug oder Missmanagement, kurz: einen Skandal. Auch der von der Schließung betroffene Fonds Lions Advisors hat ein spezielles Problem. Er wurde vor knapp sechs Jahren von der HypoVereinsbank (HVB) initiiert. 2003 kauften das Management um Peter Neumayer den Fonds aus der Bank heraus, die HVB blieb aber mit etwa 60 Prozent der Anteile größter Investor. Zeitweilig verwaltete Lion Advisors 275 Millionen Euro.

Skepsis bei den Geldgebern
Laut Neumayer teilte die HVB im November vergangenen Jahres mit, sie werde 125 Millionen Euro aus dem Fonds abziehen. Grund sei eine strategische Neuausrichtung des neuen Eigentümers Unicredit. „Die Ankündigung löste einen Dominoeffekt bei den übrigen zehn institutionellen Investoren aus„, sagte Neumayer der Süddeutschen Zeitung. Er gehe davon aus, dass bis Ende März die verbleibenden Investoren – deutsche Versicherungen, Banken und Unternehmen – Geld abziehen und der auf den Bermudas angesiedelte Fonds geschlossen wird. Lion Advisors werde als Beratungsgesellschaft weitergeführt.

Der Lion-Fonds spekulierte auf steigende und fallende Aktienkurse und erwirtschaftete laut Neumayer 2005 eine Rendite von 14,2 Prozent. Das Produkt verschwindet demnach offenbar nicht wegen Erfolgslosigkeit vom Markt, sondern weil der Anbieter Lion zu stark von einem einzigen Investor abhängig war. „Das deutet schon auf ein strukturelles Problem hin„, sagte Karin Reinecker von der Hedge-Fonds-Beratungsfirma CAI. „Es ist schwierig, in Deutschland Geld für Hedge-Fonds einzusammeln.“ Institutionelle Anleger hielten sich mit Investitionen in deutsche Fonds zurück.

Hedge-Fonds implodieren

HedgeFonds implodieren

Ein Grund liegt in der Anlageverordnung, die deutsche Versicherungen und Pensionsfonds beachten müssen, wenn sie in einzelne Hedge-Fonds investieren. „Die Anforderungen an die Berichtspflicht und die Risikokontrolle sind so hoch, dass der Aufwand für Versicherungen sich häufig nicht lohnt„, kritisiert Dirk Söhnholz, der bei der Ratingagentur Feri Trust für das Hedge-Fonds-Geschäft verantwortlich ist. Hinzu kommt, dass der Versicherer nur in engen Grenzen in Hedge-Fonds investieren dürfen. Meist investieren sie daher in Dachfonds, die wiederum in mehrere einzelne Hedge-Fonds investieren. So verringern sie ihr Risiko.

Konkurrenz durch Aktien
Hedge-Fonds tun sich in Deutschland auch deshalb schwer, weil die Wertentwicklung in den vergangenen Jahren deutlich hinter der in achtziger und neunziger Jahren zurückgeblieben ist. Außerdem erwirtschafteten Aktienfonds seit 2003 wieder attraktive Renditen. Während damit auch Hedge-Fonds in anderen Ländern zu kämpfen haben, ringen die deutschen Anbieter mit einem weiteren Problem: „Die jungen deutschen Einzel-Hedge-Fonds können meist wenig Erfahrung vorweisen„, sagt Lars Jäger vom Schweizer Dach-Hedge-Fonds-Anbieter Partners Group. Investoren verlangen von den Anbietern meist eine Erfolgsgeschichte von mehreren Jahren. „Das ist ein Teufelskreis: Es gibt zu wenig bewährte Produkte und deshalb zu wenig Investoren, weshalb es wiederum wenig attraktiv ist, neue Fonds aufzulegen„, sagt die Hedge-Fonds-Expertin Reinecker.

Branchenbeobachter rechnen daher mit weiteren Fondsschließungen, vor allem bei Einzelfonds, die sich hauptsächlich an die strengen Auflagen unterworfenen deutsche Investoren richten.

Doch auch Dach-Hedge-Fonds sind gefährdet. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung werden für einen gemeinsamen Dachfonds zweier deutscher Banken inzwischen keine Kundengelder mehr eingeworben. „Der Fonds dürfte bald geschlossen werden„, berichtet ein Branchen-Insider. Die Ursache sei, dass die Anbieter bei Auflage des Fonds die Anforderungen der Finanzaufsicht strikter interpretierten als sie letztlich ausgelegt wurden. „Dadurch war der Fonds unattraktiv„, sagt der Branchenkenner.

Viel Freude bei der Vermehrung der gewonnenen Einsichten,
wünscht Ihnen Ihr Finanzscout

Klaus J. P.-Kilfitt

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Über Finanzscout

Klaus J. Pitter-Kilfitt, Unternehmensberater, Fachreferent und Buchautor, war über 2 Jahrzehnte CEO eines mittelständischen Finanzkonzerns und engagiert sich seit Jahren mit Hintergrundrecherchen und kritischen Finanzmarktanalysen für aktiven Verbraucherschutz.
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